Beziehung – auf 1000 Kilometer Entfernung

Ich kam mir vor wie der glücklichste Mensch auf Erden. B hat mir das Gefühl gegeben etwas ganz besonderes zu sein. Wir haben glaube ich mehr Kontakt gehabt, als Paare die am selben Ort wohnen, den ganzen Tag geschrieben, zwischen drinn ein Anruf und abends Skype. Und es wurde nie langweilig, denn er hat es immer wieder geschafft mich zum Lachen zu bringen, selbst wenn ich einen schlechten Tag hatte, umgekehrt habe ich ihn wieder aufgebaut, als es seiner Mutter sehr schlecht ging. Ich glaube wir konnten auch ehrlicher zu einander sein, denn manchmal ist es einfacher Dinge zu schreiben als sie Face-to-Face zu besprechen. Auch wenn es mir schon sehr oft gefehlt hat einfach bei ihm zu sein und die körperliche Nähe zu spüren. Vor allem wenn es Missverständnisse oder ähnliches gab, hätte ich mir gewünscht danach einfach von ihm in den Arm genommen zu werden oder ihn zu küssen.

Als B mich dann in Brüssel besucht hat war ich so aufgeregt! Wir hatten uns jetzt schon so lang nicht mehr in Real-Life gesehen, dass ich ein bisschen Angst hatte. Wovor ich Angst hatte? Vor allem möglichen! Dass ich ihm doch nicht gefalle, dass er mich zu langweilig finden könnte wenn wir so lange zusammen am selben Ort sind und dass es einfach komisch werden würde… Als ich B vom Flughafen abgeholt habe war meine Nervosität auf dem absoluten Höchstpunkt. Mir war heiß und kalt und das alles zur selben Zeit. Aber als ich ihn gesehen hab, ihn geküsst hab und er meine Hand genommen hat wurde es langsam besser. Im Taxi auf dem Weg zu meiner Wohnung hat er mich angeschaut und ich wusste, dass meine Bedenken alle hinfällig gewesen sind. Ich war so froh ihn da zu haben, es tat so gut ihn bei mir zu haben und als die anfängliche Fremdelei gelegt war, konnte ich die Zeit mit ihm genießen. Da wir uns so lange nicht gesehen hatten mussten wir ständig in Kontakt bleiben. Es gab kaum eine Minute in der er nicht meine Hand gehalten hat oder einen Arm um meine Hüfte gelegt hat, nur um den physischen Kontakt nicht abbrechen zu lassen.

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Entschluss zur Fernbeziehung

Leider viel zu schnell rückte auch schon das Ende meines Auslandssemesters heran. Die Prüfungszeit machte die Zeit die wir zusammen hatten noch rarer.. Als ich in den Zug nach Berlin gestiegen bin hatte ich echt Tränen in den Augen. Aber ich bin mit seinem Versprechen, dass wir uns definitiv wiedersehen werden, gegangen.

Wir hatten uns zwar immer wieder geschrieben, aber das versprochene Treffen blieb leider aus. Jedoch machte mein Herz immer wieder einen Sprung, wenn ich eine Mail von ihm bekommen hatte. Da wir nichts festes ausgemacht hatten, hatte ich auch was mit anderen, allerdings hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich am Morgen danach eine liebe Nachricht von ihm hatte… Nach meinem letzten Präsenzsemester an der Uni bin ich nach Brüssel gegangen und bis dahin hatte sich unser Kontakt wieder ziemlich gefestigt. Wir haben mehrmals jeden Tag geschrieben, telefoniert und es schien als würde alles perfekt passen.

Es war schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich um dich sorgt, den es interessiert was man den ganzen Tag gemacht hat. Als fest stand, dass ich auch 2013 in Brüssel bleiben werde, konnten wir unser lang ersehntes Treffen planen.

Am besten fand ich wie er beschlossen hat, dass wir ein Paar sind: „Ich will keine andere außer dir und du willst keinen anderen außer mich, also dann ist doch alles klar!“ Das war seine typisch pragmatische Art die Dinge zu sehen. Doch eine Fernbeziehung Brüssel-Österreich?? Nachdem wir uns fast ein Jahr nicht gesehen haben? Allerdings war die Art wie wir Kommuniziert haben immer so intensiv, dass ich gedacht hab, dass wir das hinbekommen werden. Jedes Gespräch zwischen uns war so aussagekräftig, dass es fast (aber auch wirklich nur fast) nebensächlich schien, dass wir nicht am selben Ort sind.

Wie alles begann – Dezember 2011

Nach fast 3 Jahren Ups and Downs, ist es besser einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

So schön und toll wie alles mit mir und B angefangen hat so fies und hässlich ist es jetzt zum Schluss gewesen. Wir haben uns kennengelernt als ich 2011 mein Erasmus Semester in Österreich gemacht habe. Was eigentlich ein kleines Abenteuer während meines Auslandsstudiums sein sollte, entwickelte sich zu etwas ernstem. An dem Abend als wir uns das erste mal trafen, wollte ich nur einen One-Night Stand, ich wollte einfach nur Spaß haben und oh ja, Spaß hatten wir diesen Abend bei weitem nicht zu wenig… Als er mich am nächsten morgen nach Hause gefahren hat, hab ich bei mir noch gedacht, dass das zwar schön war, aber wir uns sicher nicht mehr treffen werden.

Umso mehr war ich überrascht, als ein (wie sich dann herausstellte gemeinsamer) Freund mich fragte, ob er B meine Nummer geben könne, weil der „einen Ausflug nach Berlin plant und fragt ob ich ihm dabei helfen könnte“. Ich war mir da schon sicher, dass B definitiv keinen Ausflug nach Berlin geplant hat bei dem er meine Hilfe brauchen würde, aber innerlich habe ich riesig gefreut, dass er sich um meine Telefonnummer bemüht hat. Wir hatten bis Weihnachten eine wunderbare Zeit in der wir uns immer wieder getroffen haben, Dates hatten und die Nächte zusammen verbracht haben.

Über Weihnachten war ich zu Hause bei meiner Family in Deutschland und selbst da haben wir jeden Tag geschrieben und jedes mal, wenn ich eine Nachricht von ihm hatte konnte ich gar nicht mehr aufhören zu grinsen bis über beide Ohren.

Zum Glück hatte ich schon lange vorher mit Freunden arrangiert, dass wir zusammen Silvester in meiner Wohnung in Österreich feiern, also hatte ich das Glück nicht die ganzen Weihnachtsfeieren ohne ihn verbringen zu müssen.

Auch wenn es vielleicht meinen Freunden nicht ganz fair war, sie abends in meiner Wohnung allein sitzen zu lassen, konnte ich mir die Möglichkeit nicht entgehen lassen B wieder zusehen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass das nun doch kein unverbindlicher One-Night Stand ist, sondern dass ich mich ziemlich in ihn verknallt habe.