Der Oh-Mein-Gott-Sie-Ist-Dabei-Mich-Zu-Vergessen-Alarm

Da versuche ich mein allerbestes, mit aller Kraft versuche ich Tag für Tag B aus meinem Kopf zu verdrängen und bin damit mehr oder weniger erfolgreich. Ich versuche mich abzulenken, unternehme viel mit Freunden, nutze endlich wieder ausgiebig meine Mitgliedskarte vom Fitness-Studio und stürze mich auf blöde erste Dates. Das ist wirklich harte Arbeit für mich dem Drang zu wiederstehen mich heulend auf der Couch zu verkriechen, mir einen traurigen Film nach dem anderen anzuschauen und in meinem Selbstmitleid zu zerfließen. Eigentlich war ich der Meinung, dass ich das ganz gut geschafft habe, dass ich mir selbst bewiesen habe wie stark ich sein kann. Dass ich dem Bild wirklich gerecht werde, das alle von mir zu haben scheinen.

Und genau in dem Moment in dem man selber denkt, alles läuft wieder in geregelten Bahnen und es wird wieder alles gut, meldet sich B aus heiterem Himmel. Ohne Vorwarnung – als ob er insgeheim spüren würde, dass ich grade dabei bin ihn eine hintere Ecke meines Herzens und Gehirns zu verstauen – kommt eine Nachricht von ihm. Eine nichtssagende Nachricht: „Wünsch da an schönen Abend“. Aber das reicht schon aus, dass er aus der Ecke, in der ich ihn so gründlich versucht habe zu verbergen, wieder hervorkommt und in meinem Kopf rumschwirrt.

Spüren Männer es, wenn dabei ist sie zu verdrängen? Haben die einen eingebauten „Oh-Mein-Gott-Sie-Ist-Dabei-Mich-Zu-Vergessen-Alarm“????

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Ablenkung.

Ich wollte nicht mehr an B denken. Ich wollte ihn vergessen. Also musste ein Tapetenwechsel her. In Brüssel scheint mir die Decke auf den Kopf zu fallen. Was passte da also besser als das lange ausstehende Angebot mit einem Kumpel nach Barcelona zu fahren. Die Zeit schien perfekt, die Flüge billig, Resturlaub hatte ich auch noch, also nichts wie los!

Ich wollte schon immer mal nach Barcelona und ich habe mich gleich in die Stadt verliebt. Einfach wunderbar, ich glaube jeder der schon einmal dort war wird das gleiche sagen.

Das einzige Problem war, dass der Freund mit dem ich dorthin gefahren bin sich glaube ich mehr erhofft hat von diesem Urlaub. Wir hatten uns schon seit mehr als 2 Jahren nicht gesehen, seit ich Deutschland nach dem Studium zum Arbeiten verlassen habe. Schon im Vorfeld kamen von ihm Nachrichten, die ich nicht so Recht einordnen konnte. Auch nachdem sich unsere Wege wieder am Flughafen getrennt haben, werde ich das Gefühl nicht los, dass es für ihn mehr war als für mich. Dabei haben wir auch viel über seine Ex-Freundin gesprochen und auch über B, für mich waren die Fronten eigentlich eindeutig geklärt. Von meiner Seite war da noch nicht mal ein Funke Anziehungskraft. Einfach nur Freunde die in den Urlaub fahren. Aber diese ganze Situation hat mir gezeigt, dass ich – selbst wenn ich wollte – noch nicht wieder etwas Neues anfangen kann und will. Ich bin noch zu sehr in der ganzen Geschichte mit B gefangen.

Eigentlich wollte B mit mir nach Barcelona fahren, wollte mir die Stadt zeigen, neue gemeinsame Erinnerungen schaffen. Vielleicht war es die falsche Stadt für einen Tapetenwechsel, weil ich schon von Anfang an nur an B gedacht habe.

Loslassen

Vielleicht hat es einen Grund warum man besser nichts von seinem Ex-Freund hören sollte.. Will man wirklich hören, dass er mitten in der Hochzeitsplanung ist?!?! Ich meine Hochzeitsplanung, wie länge kennt er sie? 4-5 Monate???

Heiratet man nach einer so kurzen Zeit??

Warum habe ich immer noch gehofft, dass B mich vermisst und dass es eine Mini-mini-mini Chance gibt wieder eine Zukunft mit ihm haben?? Ich vermisse ihn wirklich, es vergeht kein Tag an dem ich nicht an B denke, ich will nicht dass er eine andere heiratet. Warum sie? Warum nicht ich?

Vielleicht ist es besser loszulassen. Ich will mir das nicht mehr antun müssen. Ich will nicht mehr an ihn denken müssen und  ich will ihn nicht mehr vermissen. Ich will nicht mehr, dass er mich in meinen Gedanken und Träumen verfolgt. Aber wie stellt man das am Besten an?

Ein bisschen mehr Hollywood….

Ist ein bisschen mehr Hollywood im wahren Leben zu viel verlangt?

Warum wird man in jedem (guten oder schlechten) Hollywood-Streifen darauf aufmerksam gemacht, dass das eigene Leben kein Film ist. Dass niemand plötzlich am Flughafen steht und erkennt, dass er es nicht übers Herz bringen kann in den Flieger zu steigen.

Wo ist die übertriebene uns-alles-um-uns-herum-vergessen-lassende Kitschromantik hin?

Bitte, bitte, nur ein kleines bisschen mehr Hollywood wäre doch fein..

Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht

Und da bleibt immer wieder die Frage: Denkt er auch an mich? Oder zerfrisst es nur mich jedes Mal aufs Neue?

Es gibt so viele kleine Momente die mich an ihn erinnern, oder Situationen in denen ich eigentlich nichts anderes tun will, als ihm davon zu erzählen.

Doch die Funkstille ist – wie der Name schon sagt – sehr still. Und diese Stille ist so laut, dass ich sie in meinen Ohren klingeln höre. Wie ein Megafon schreit sie mich an. Immer wieder. Und lässt mich nicht zur Ruhe kommen.

Die Nachricht

Und da war er, der Moment vor dem ich seit der Trennung von B solche Angst hatte. Ich habe jemanden kennengelernt, einen netten Italiener. Das Problem war nicht, dass ich jemanden kennengelernt habe, sondern vielmehr der Traum den ich die Nacht drauf hatte, hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen. Ich habe von B geträumt und von einem gemeinsamen Leben mit Kindern, Haus und allem Drum und Dran. Leider war der Traum so real, dass ich schmerzlicher weise am nächsten Morgen feststellen musste, dass es nicht die Realität war, sondern wirklich nur ein Traum. Mich hat es kalt erwischt, wie eine schallende Ohrfeige die einen wieder ins Hier und Jetzt ruft.

Da zwischen mir und B schon seit einer Ewigkeit Funkstille herrscht, wollte ich ihm auch nicht schreiben, die Blöße wollte ich mir nicht geben. Es war einfach zu viel kaputt zwischen uns beiden und noch immer schwebten die unausgesprochenen Gedanken wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf. Aber nachdem sich der Traum Nacht für Nacht wiederholt hat, habe ich mir nach 4 Tagen ein Herz gefasst und ihm geschrieben.


Ich: „Mich hat noch nie in meinem ganzen Leben jemand so sehr und so oft verletzt wie du und doch denke ich immer wieder an dich und frage mich wie es dir geht“


B: „Mir geht‘s sehr gut danke der Nachfrage“


Wow, ich hab ja mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer solchen unpersönlichen Antwort. Im Endeffekt hab ich mich gefragt, was ich für eine Antwort erwartet habe? Was hätte ich geantwortet, wenn er mir solch eine Nachricht geschickt hätte? Wahrscheinlich dasselbe… Da hatte ich meine Antwort, ihm geht’s gut, auch ohne mich. Als ich am Abend meine Tränen sorgfältig hinuntergeschluckt habe um mir nichts anmerken zu lassen, kam überraschender Weise noch eine Antwort von ihm. Mir war auf einmal ganz heiß, wollte ich die Nachricht wirklich lesen? Natürlich!


B: „i hab di verletzt?? du hast mi beschissen!! i hab nie was gmacht… und des was mir erzählt hast oder mia gredet hom is und bleibt bei mir. Des werd imma so bleibm“


Ich (fast eine Stunde später, ich musste mich erst sammeln): „Was mich verletzt hat? Die 4 Monate in denen du mich nicht sehen wolltest, die Trennung von dir, wie einfach dir die Trennung gefallen ist, die Zurückeisung jedes Mal wenn ich gedacht habe es könnte wieder klappen zwischen uns, das du so einfach jemand neues gefunden hast. Das ich dir egal war“


B: „Egal bist und warst mir nie“


Ich: „Und doch leider nicht wichtig genug“


 

In dieser Nacht habe ich wieder von ihm geträumt, jedoch war es nicht ich die mit ihm Kinder, ein Haus und ein perfektes Leben hatte, sondern SIE.

Beziehung – auf 1000 Kilometer Entfernung

Ich kam mir vor wie der glücklichste Mensch auf Erden. B hat mir das Gefühl gegeben etwas ganz besonderes zu sein. Wir haben glaube ich mehr Kontakt gehabt, als Paare die am selben Ort wohnen, den ganzen Tag geschrieben, zwischen drinn ein Anruf und abends Skype. Und es wurde nie langweilig, denn er hat es immer wieder geschafft mich zum Lachen zu bringen, selbst wenn ich einen schlechten Tag hatte, umgekehrt habe ich ihn wieder aufgebaut, als es seiner Mutter sehr schlecht ging. Ich glaube wir konnten auch ehrlicher zu einander sein, denn manchmal ist es einfacher Dinge zu schreiben als sie Face-to-Face zu besprechen. Auch wenn es mir schon sehr oft gefehlt hat einfach bei ihm zu sein und die körperliche Nähe zu spüren. Vor allem wenn es Missverständnisse oder ähnliches gab, hätte ich mir gewünscht danach einfach von ihm in den Arm genommen zu werden oder ihn zu küssen.

Als B mich dann in Brüssel besucht hat war ich so aufgeregt! Wir hatten uns jetzt schon so lang nicht mehr in Real-Life gesehen, dass ich ein bisschen Angst hatte. Wovor ich Angst hatte? Vor allem möglichen! Dass ich ihm doch nicht gefalle, dass er mich zu langweilig finden könnte wenn wir so lange zusammen am selben Ort sind und dass es einfach komisch werden würde… Als ich B vom Flughafen abgeholt habe war meine Nervosität auf dem absoluten Höchstpunkt. Mir war heiß und kalt und das alles zur selben Zeit. Aber als ich ihn gesehen hab, ihn geküsst hab und er meine Hand genommen hat wurde es langsam besser. Im Taxi auf dem Weg zu meiner Wohnung hat er mich angeschaut und ich wusste, dass meine Bedenken alle hinfällig gewesen sind. Ich war so froh ihn da zu haben, es tat so gut ihn bei mir zu haben und als die anfängliche Fremdelei gelegt war, konnte ich die Zeit mit ihm genießen. Da wir uns so lange nicht gesehen hatten mussten wir ständig in Kontakt bleiben. Es gab kaum eine Minute in der er nicht meine Hand gehalten hat oder einen Arm um meine Hüfte gelegt hat, nur um den physischen Kontakt nicht abbrechen zu lassen.

Entschluss zur Fernbeziehung

Leider viel zu schnell rückte auch schon das Ende meines Auslandssemesters heran. Die Prüfungszeit machte die Zeit die wir zusammen hatten noch rarer.. Als ich in den Zug nach Berlin gestiegen bin hatte ich echt Tränen in den Augen. Aber ich bin mit seinem Versprechen, dass wir uns definitiv wiedersehen werden, gegangen.

Wir hatten uns zwar immer wieder geschrieben, aber das versprochene Treffen blieb leider aus. Jedoch machte mein Herz immer wieder einen Sprung, wenn ich eine Mail von ihm bekommen hatte. Da wir nichts festes ausgemacht hatten, hatte ich auch was mit anderen, allerdings hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich am Morgen danach eine liebe Nachricht von ihm hatte… Nach meinem letzten Präsenzsemester an der Uni bin ich nach Brüssel gegangen und bis dahin hatte sich unser Kontakt wieder ziemlich gefestigt. Wir haben mehrmals jeden Tag geschrieben, telefoniert und es schien als würde alles perfekt passen.

Es war schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich um dich sorgt, den es interessiert was man den ganzen Tag gemacht hat. Als fest stand, dass ich auch 2013 in Brüssel bleiben werde, konnten wir unser lang ersehntes Treffen planen.

Am besten fand ich wie er beschlossen hat, dass wir ein Paar sind: „Ich will keine andere außer dir und du willst keinen anderen außer mich, also dann ist doch alles klar!“ Das war seine typisch pragmatische Art die Dinge zu sehen. Doch eine Fernbeziehung Brüssel-Österreich?? Nachdem wir uns fast ein Jahr nicht gesehen haben? Allerdings war die Art wie wir Kommuniziert haben immer so intensiv, dass ich gedacht hab, dass wir das hinbekommen werden. Jedes Gespräch zwischen uns war so aussagekräftig, dass es fast (aber auch wirklich nur fast) nebensächlich schien, dass wir nicht am selben Ort sind.

Wie alles begann – Dezember 2011

Nach fast 3 Jahren Ups and Downs, ist es besser einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

So schön und toll wie alles mit mir und B angefangen hat so fies und hässlich ist es jetzt zum Schluss gewesen. Wir haben uns kennengelernt als ich 2011 mein Erasmus Semester in Österreich gemacht habe. Was eigentlich ein kleines Abenteuer während meines Auslandsstudiums sein sollte, entwickelte sich zu etwas ernstem. An dem Abend als wir uns das erste mal trafen, wollte ich nur einen One-Night Stand, ich wollte einfach nur Spaß haben und oh ja, Spaß hatten wir diesen Abend bei weitem nicht zu wenig… Als er mich am nächsten morgen nach Hause gefahren hat, hab ich bei mir noch gedacht, dass das zwar schön war, aber wir uns sicher nicht mehr treffen werden.

Umso mehr war ich überrascht, als ein (wie sich dann herausstellte gemeinsamer) Freund mich fragte, ob er B meine Nummer geben könne, weil der „einen Ausflug nach Berlin plant und fragt ob ich ihm dabei helfen könnte“. Ich war mir da schon sicher, dass B definitiv keinen Ausflug nach Berlin geplant hat bei dem er meine Hilfe brauchen würde, aber innerlich habe ich riesig gefreut, dass er sich um meine Telefonnummer bemüht hat. Wir hatten bis Weihnachten eine wunderbare Zeit in der wir uns immer wieder getroffen haben, Dates hatten und die Nächte zusammen verbracht haben.

Über Weihnachten war ich zu Hause bei meiner Family in Deutschland und selbst da haben wir jeden Tag geschrieben und jedes mal, wenn ich eine Nachricht von ihm hatte konnte ich gar nicht mehr aufhören zu grinsen bis über beide Ohren.

Zum Glück hatte ich schon lange vorher mit Freunden arrangiert, dass wir zusammen Silvester in meiner Wohnung in Österreich feiern, also hatte ich das Glück nicht die ganzen Weihnachtsfeieren ohne ihn verbringen zu müssen.

Auch wenn es vielleicht meinen Freunden nicht ganz fair war, sie abends in meiner Wohnung allein sitzen zu lassen, konnte ich mir die Möglichkeit nicht entgehen lassen B wieder zusehen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass das nun doch kein unverbindlicher One-Night Stand ist, sondern dass ich mich ziemlich in ihn verknallt habe.